Unsere Arbeit

Praxisräumlichkeiten

Die Praxisräume des APKs eröffnen am 1.2.2018 und befinden sich in der Bleibtreustraße im Herzen von Charlottenburg, direkt am barrierefreien S-Bahnhof Savignyplatz. Die Räumlichkeiten im 2. Stock sind sowohl per Treppe als auch mit dem Fahrstuhl erreichbar. Die Praxis verfügt über helle, großzügig geschnittene, frisch renovierte Räume und einer Mietfläche von 96m².

Insgesamt stehen folgende Räume zur Verfügung:

  • Empfangsbereich mit Verwaltung und einladenden Sitzmöglichkeiten
  • Vier Praxisräume für individuelle Psychotherapien
  • Abschließbares Archiv

In den Räumlichkeiten der Praxis wird psychologische Psychotherapie im Richtlinienverfahren Verhaltenstherapie gemäß Leitlinien der AMWF durchgeführt werden. Die zeiteffizienten Therapien werden (teil-) manualisiert in evaluierten, evidenzbasierten Methoden (siehe Kapitel 3 und 7) ausgeführt und umfassen im Durchschnitt je 15-30 Stunden.

 

Kultursensible Therapien

Psychotherapien mit geflüchteten Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund unterscheiden sich von Therapien mit Menschen ohne jegliche Flucht- oder Migrationserfahrungen. Neben der offensichtlichen Sprachbarriere sind weitere kulturelle Aspekte zu beachten.

Besonders in der Psychiatrie und Psychotherapie ist Sprache ein wichtiges Instrument und erheblicher Wirkfaktor. Folgen erschwerter Sprache sind Missverständnisse, Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen mit Spätfolgen und Folgekosten[1]. Prof. Knaevelsrud[2] (Professorin für klinisch-Psychologische Intervention der Freien Universität Berlin) benennt neben Sprachbarrieren auch aufenthaltsrechtliche Unsicherheiten als strukturelle Erschwernisse der Diagnostik und der psychotherapeutischen Behandlung. Um eine effektive Therapieform zu entwickeln, müssen daher interkulturell divergierende Krankheits- und Behandlungskonzepte beachtetet werden. Hierzu gehören unterschiedliche Definitionen des Selbst in kollektivistischen und individualistischen Kulturen, Vorstellungen von Hilfe und Unterstützung, Heilserwartungen, Bedeutung von Symbolen und Träumen, Rolle der Krankheit und möglicher sekundärer Krankheitsgewinn.

Erim und Kollegen[3] empfehlen in ihren Leitlinien zur interkulturellen Psychotherapie Migrationserfahrungen, sowohl in der Biografie als auch der gegenwärtigen Lebenssituation des Patienten, zu beachten. In der interkulturellen Psychotherapie sollten daher Migrationsentscheidungen und –gründe, z.B. eine Einreise als politischer Flüchtling oder Arbeitsmigrant berücksichtigt werden. Auch die Generationenfolge, eigene oder Migrationserfahrungen in der zweiten und dritten Generation, können wichtige Informationen enthalten. Soziale Faktoren wie aktuelle familiäre Unterstützung oder Aufgelöstheit der familiären Bande, Eingebundenheit einer Gemeinschaft von Landsleuten, Akkulturationsstress auf der Arbeit oder Schule, Folgen eines niedrigen sozioökonomischen Status, wie Betroffenheit von Arbeitslosigkeit oder beengtem Wohnraum, sollten in der interkulturellen Psychotherapie besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden.

Laut Erim und Senf (2002) sind kulturspezifische Kenntnisse der Behandler ein wichtiges Instrument in interkulturellen Therapien.[4] Hilfreiche Interventionen sind das Joining, therapeutische Bündnisse zwischen Familienmitgliedern und Therapeuten, Aktivierung von ethnischen Ressourcen und kultursensitive Interventionen. Der Einsatz von muttersprachlichen Therapeuten und monokulturelle muttersprachliche Angebote können eine effektive interkulturelle Psychotherapie befördern. Des Weiteren können qualifizierte Sprach- und Kulturmittler helfen, die kulturellen Einflussfaktoren zu erfassen.[5]

Um geflüchtete Menschen mit psychischen Erkrankungen psychotherapeutisch anzubinden, entwickelten Prof. Dr. Brackemeier und Prof. Dr. med. Schouler-Ocak das interpersonelle integrative Modellprojekt für Geflüchtete mit psychischen Störungen (IIMPF). Diese Therapieform fokussiert sich in einem zweimonatigen Kurzzeitsetting auf fünf Bereiche: Integration, Lebensveränderungen durch die Flucht, interpersonelle Konflikte, Isolation und Einsamkeit sowie die Unterstützung in Trauerprozessen[6].

Im Psychotherapeutischen Kompetenzzentrum arbeiten unsere Therapeuten im Einklang mit den Empfehlungen des IIMPF und werden u.a. von Prof. Dr. med. Schouler-Ocak bzgl. kulturspezifischer Aspekte in der Therapie beraten.

 

Personal

Das Team besteht momentan aus vier approbierten PsychotherapeutInnen (eine davon persisch sprechend), fünf PsychologInnen (Diplom, M.Sc., M.A.) und drei SprachmittlerInnen (persisch, arabisch). Ab Februar 2018 wird das Team durch weitere freiberuflich tätige approbierte PsychotherapeutInnen, SprachmittlerInnen und Verwaltungspersonal ergänzt. Bei der Auswahl unserer Therapeuten bevorzugen wir kultursensibles Personal mit Erfahrung und entsprechenden Fort- und Weiterbildungen im Bereich der Traumafolgestörungen, Angststörungen, Sucht und Depression, da diese zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei geflüchteten Menschen zählen.

Unser psychologisches Team pflegt enge Kooperationen zu Ärzten, weiteren Psychotherapiepraxen, Krankenhäusern der Akut- und Regelversorgung, und baut dieses Netzwerk stetig aus.

 

Fort- und Weiterbildungen

Das gesamte Team der Apardo GmbH wurde umfangreich in den Bereichen Integration, Mediation, Gewaltschutz, Konfliktmanagement, Diversity etc. geschult und befindet sich in einer kontinuierlichen Fortbildung. Darüber hinaus werden unsere Psychotherapeuten und Psychologen fachspezifisch in allen relevanten Bereichen fort- und weitergebildet. Hier sind in erster Linie der Bereich Traumatisierungen und migrations- bzw. flüchtlingsspezifische Aspekte in der psychotherapeutischen Behandlung zu nennen, jedoch auch stetige Fort- und Weiterbildungen hinsichtlich neuer Erkenntnisse in der Psychotherapieforschung.

Bei der Auswahl der Fort- und Weiterbildungen präferieren wir Veranstaltungen der Psychotherapeutenkammer und der Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Psychotherapie Berlin (AWP), nutzen bei interessanten Themen jedoch auch Veranstaltungen anderer Veranstalter. Im Folgenden finden Sie eine Auswahl erfolgter und geplanter Fort- und Weiterbildungen.

[1] vgl. Kluge, 2011

[2] vgl. Knaevelsrud, 2015

[3] vgl. Erim et al., 2010

[4] vgl. Erim & Senf, 2002

[5] vgl. Schouler-Ocak & Aichberger, 2017

[6] vgl. Brakemeier et al., 2017